Hannes has left the Building. Ein Nachruf zum Tod von Hannes Wanderer.

Von in News

Hannes Wanderer ist am Sonntag, den 9. September im Alter von 60 Jahren an Herzversagen gestorben. Mit ihm hat nicht nur ein Mitglied der Familie Wanderer die Bühne verlassen, sondern auch ein beispielloser Enthusiast, Kenner und Verleger der künstlerischen Fotografie. Sein plötzliches Ableben ist ein hoher Verlust für uns und die internationale Fotokunstszene.

Ein Maniac ist gegangen. Einer, wie es wirklich wenige gibt. Von wie vielen wird behauptet, sie würden für ihre Mission leben – bei diesem traf es zu. Er hatte eine Leidenschaft, und die war ausschließlich. Sie war nicht das abseitige Hobby eines vom Leben Enttäuschten. Im Gegenteil – er hatte schon eine erfolgreiche Karriere hinter sich, als er sich auf das zu konzentrieren begann, was ihm wirklich wichtig war: die Fotografie und ihre Repräsentation in Buchform.

— Andreas Trogisch

Der Bezug zu Büchern wurde Hannes Wanderer in die Wiege gelegt. Als Sproß einer traditionsreichen Druckerfamilie wuchs er an der Nabelschnur von Druckmaschinen auf, verdiente sich am elterlichen Tiegel sein erstes Taschengeld und blieb bis zu seinem Ende ein Fanatiker der Schwarzen Kunst.

Das Berufsleben begann für Hannes mit der Ausbildung zum Reprofotografen. Etwa gleichzeitig fing er auch an, sich für Fotografie in Theorie und Praxis zu interessieren. Autodidaktisch entwickelte er sich zudem zum Gestalter, was Mitte der 1990er Jahre in die Mitgründung der Werbeagentur Peperoni in Berlin mündete. Hier war Hannes neben der Tätigkeit als Produktioner auch verantwortlich für Design und fotografierte auch die Kampagnenmotive der Agentur.

Der Prozess zum Fotowahnsinnigen verlief schleichend. So viel er sich auch als Werbefotograf betätigte, seine künstlerischen Projekte ließ er in der Schublade. Aus der Deckung wagte er sich erst 2004. Für die Serie »Time Out – Leere Läden in Berlin« fotografierte er zusammen mit Thomas Göx mehrere tausend leerstehende Geschäfte. Begleitend zu den Ausstellungen sollte auch ein Fotobuch hergestellt werden. Bei der Summe seiner Fähigkeiten und der naheliegenden Beziehung zur Druckerei Wanderer produzierte Hannes das Buch gleich selbst und gründetet dazu auch einen Verlag. Dass aus Peperoni Books einer der wichtigsten Fotobuchverlage werden sollte, zeichnete sich noch nicht ab.

Es war der Beginn einer großen Leidenschaft. Auf den Geschmack gekommen, fing Hannes an, andere Fotografen zu verlegen. 2009 verließ er vollständig die Agentur und widmete sich nur noch der Fotografie, speziell dem Fotobuch. Von der Erkenntnis geleitet, dass er – wie er selbst sagte – nach seinen eigenen Maßstäben ein eher schlechter Fotograf sei, aber ein sehr guter Büchermacher, fokussierte er sich vollständig darauf, Fotografen den Weg zu Büchern zu ebnen. In seiner Auswahl war er gnadenlos und ein Verkauf seiner Qualitätsstandards stand nie zur Disposition – da konnte noch so viel Geld locken. Den Verlag flankierte er noch mit der Gründung einer auf Fotobücher spezialisierte Buchhandlung in Berlin, 25books.

Durch die Konsequenz seines Programms avancierte er zu einer Szenegröße, deren Expertise große Beachtung fand. Hannes verlegte Fotobücher, verkaufte Fotobücher in seiner Buchhandlung, referierte und dozierte weltweit über Fotobücher und deren Konzeption und Herstellung, unterstütze auch außerhalb seines Verlags Fotografen bei der Gestaltung und Herstellung ihrer Fotobücher … Hannes war das menschgewordene Fotobuch.

Hannes hat sich aufgebraucht für dieses Lebensprojekt. Sein Abgang kam nicht aus dem heiteren Himmel; es war ein Finale mit Ansage. Wer einmal seine Fingernägel gesehen hatte, ahnte, dass in diesem Leben kein Platz mehr war für solche Nebensächlichkeiten wie Maniküre, Familie, Muße.

— Andreas Trogisch

Tragischerweise hat er sich in diesem Strudel verloren. Das Thema wurde das bestimmende seines Lebens und ließ für alles andere keinen Raum. Über ein Privatleben im herkömmlichen Sinne verfügte er nicht, jenseits von Fotografie gab es keinen weiteren Horizont. Die Qualität seiner Arbeit konnte wohl nur so wachsen und gedeihen – die Selbstaufgabe dürfte aber auch der Grund für den frühen Tod sein. Das war die Tragödie seines Lebens und Sterbens.

Mit seiner Besessenheit und der nur ihm zugänglichen Ordnung in seinem kreativen Chaos hat Hannes Wanderer mit Peperoni Books und 25Books ganz im Sinne Nietzsches einen tanzenden Stern geboren. Er aß, trank und atmete Fotografie. Es ist in seinem Fall keine Übertreibung zu behaupten, dass er sein Leben für sie gab. Sein jäher und mit sechzig Jahren viel zu früher Tod reißt eine Lücke in die deutsche Fotolandschaft, die sich nicht wieder schließen lässt.

— Peter Truschner

Weitere Nachrufe

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Jörg Colberg, taz

Ein Maniac ist gegangen

Andreas Trogisch, Freelens

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Peter Truschner, Perlentaucher

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Dr. Martina Mettner, fotofeinkost

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